Ein Gastbeitrag von:

Attila Eördögh, wohnideenshop GmbH

Ich wurde gefragt, etwas über meine Erfahrung im Onlinehandel der letzten 14 Jahre zu schreiben. 14 Jahre zusammenzufassen ist schwierig.

Mit eBay fing alles an, das war der Startschuss. Ich bin mit 100,- EUR ins Kaufland gegangen, habe verschiedene Artikel eingekauft, dann verkauft und mein Nebengewerbe angemeldet. Das gefiel mir. So wollte ich gewerblich Geld verdienen.
Der nächste Schritt war unterschiedliche Messen zu besuchen und da bin ich in Frankfurt gelandet. Dort fragte man mich, was ich mache und ich antwortete „ Ich habe einen Onlineshop“ – „Was ist das?“. Aus irgendeinem Grund habe ich damals gedacht, ich müsste es verheimlichen, weil es noch nicht so bekannt war.
Nach 2 Jahren auf eBay recherchierte ich und fragte bei Amazon an, ob ich etwas verkaufen kann. Man sagte mir, dass man noch nicht so weit ist, ‘würde aber eine Ausnahme machen’. Ich meldete mich an und verkaufte.

Total naiv und mit null Erfahrung erhielt ich die erste Abmahnung wegen fehlender AGBs. Na gut, habe ich bezahlt und weiter ging es. Es funktionierte. Sehr wenige Verkäufer und man konnte alles in kurzer Zeit verkaufen. Die Umsätze kletterten ohne Ende. Bin aus der Wohnung in eine Halle gezogen, habe Mitarbeiter eingestellt und bei vielen Lieferanten in Deutschland und Europa bestellt. Ich habe über 30 Tausend Artikel im Monat verkauft. Es vergingen 5 Jahre und 3 Abmahnungen und Anzeigen von privaten Kunden und angeblichen Konkurrenten, mit ständigen Gerichtsverhandlungen. Hier stellte ich mir die Frage: Wo führt das alles mal hin?
Amazon zahlt keine Steuer und Abgaben, erhält Provisionen und behauptet, es wäre kein Geld übrig. Sollte ich das glauben? Was läuft da? Ich verglich Amazon mit eBay, Google, Facebook. Es endete immer mit dem Ergebnis, dass Amazon eines Tages der Gewinner sein würde. Jedes Mal, wenn ich Geld übrig hatte, kaufte mich bei Amazon ein. Das war das Beste in meinem Leben.

Vor ca. 3 Jahren hatte ich meinen besten Monat. Viele Artikel auf der ersten Seite gelistet und ein Artikel Stand von 500.000 Badartikeln auf Platz 1.
Dann klingelte das Telefon und Amazon rief an. Warum ging ich nur an dieses Telefon?!?!
Ein Mitarbeiter wollte, dass ich den Artikel an Amazon abgebe, aber ich lehnte es ab und am nächsten Mittag war ich gesperrt. Nach 3 Monaten wurde der Shop wieder frei gegeben und Amazon meinte, es wäre ein Versehen gewesen. Das Arbeitsamt zahlte Kurzarbeitergeld, was uns zusteht bei einer Sperrung. Aber es war vorbei. Ich war überall nicht mehr vorne gelistet und ich entschied mich dafür alles runter zu fahren.

Eine Abschaltung geschieht meistens aus dem Grund, dass ein Verkäufer kleingehalten werden soll. Ein Verkäufer oder Lieferant darf nur so lange groß werden bzw. bleiben, wie Amazon an ihm Anteile hält. In Indien kauft sich dazu Amazon bei vielen ein und übernimmt Anteile, was die Regierung zum 1. Februar gesetzlich verändert hat. Danach kamen die Verkäufer aus dem Ausland und es wurde noch weniger. Ich probierte alles aus, die Lieferung an Amazon Prime und als Vendor, aber ich konnte nie wieder die früheren Umsätze erzielen. Ich wusste: Die Zeiten sind vorbei. Ich hatte eine Marke, eigene EANs und Produkte, die andere nicht hatten, aber wenn Amazon nicht möchte, dass du viel verkaufst, dann ist es vorbei.

Zu dem Thema Vendor:

Bei jedem sechsten Paket, was ich an Amazon schickte, wurde dort behauptet, dass Artikel im Karton fehlen würden. In Indien muss daraufhin erst mal Widerspruch eingelegt werden. Das nervte so sehr, dass ich damit aufhörte und mich fragte, wieso das alle Lieferanten mit machten. Auf der Messe sagten mir einige, dass Sie von Amazon mehr Geld verlangten, um das wieder rein zu holen. Als Lieferant erfuhr ich, dass das Porto auf den Artikelpreis gerechnet wird und die Prime Gebühr eine Service Gebühr ist und Amazon das Geld nicht für das Porto verwendet, sondern 30% vom Preis als Gewinn kalkuliert.

Wie? 30% und bei bald 300 Milliarden Umsatz fast kein Gewinn? Wo geht das Geld hin und wer profitiert von diesem Unternehmen, fragte ich mich.
Nebenbei las ich alle Nachrichten von Amazon aus der ganzen Welt, um zu wissen, was kommt. Amazon hat mit Prime (nun über 100 Millionen Mitgliedern) und Alexa etwas geschaffen, was kein anderer Mitbewerber hat. Amazon hat alle abgehängt und keiner hat die Chance zu konkurrieren.

Mit den 30% , die übrig bleiben, wird etwa jeden Monat eine Firma aufgekauft, sich daran beteiligt, Lagerhäuser gebaut und in die Entwicklung gesteckt. Bezos sagte, im nächsten Jahrzehnt machen wir Kasse. Ich lasse mich überraschen. Der Einzelhandel, die Großhändler und Verkäufer auf Amazon sind die Verlierer.
Herr Kleber von Amazon in Deutschland hat die Aufgabe gehabt zu Weihnachten 2018 den Umsatz um 20% zu erhöhen. Falls die Käufer nicht mehr ausgeben, werden Verkäufer gesperrt. Und wenn Amazon 30% netto verdienen möchte und die Verkäufer 15% Provision bezahlen, dann ist das zu wenig. Aber wer einlagert und für Werbung mehr ausgibt, darf weiter machen. Ich werde aber nicht gegen Prime werben.

Ich hatte auch mal was in einer facebook Gruppe über Amazon geschrieben. Folge: Ich wurde in dieser Gruppe gesperrt und bei amazon gesperrt. Wer da wohl mit liest!?
Die Politik und das Kartellamt in Deutschland wird nichts gegen Amazon unternehmen, mal sehen wo die Reise hingeht. Beinahe aufzuhören, war meine schwerste Entscheidung in meinem Leben, aber es war richtig.

Es sollte jeder aufpassen, keine Schulden zu machen und immer für die Sperrung oder den Absprung vorbereitet zu sein.