Wochenende – Party Time – Paymentday 2018!

Es ist soweit und das Event des Jahres kündigt sich an. Lecker Essen, lecker Trinken und lecker Leute.
Die Ladys stehen schon 24 Stunden vorher in den Startlöchern und stimmen akribisch Ohrringe, Push-ups und ihr Schuhwerk ab.
Die (echten) Männer brauchen zehn Minuten: Glotze ausmachen, Duschen, sich trocken Schütteln, ein Griff in den Kleiderschrank. Passt.

Egal, wie die unterschiedlichen Vorbereitungen auch aussehen mögen. Eins bleibt immer gleich: Die Vorfreude und Einstimmung mit Musik.

„Eine Megaparty beginnt vor der Party“, exakt diese Intention hatte Big Boss Michael Atug, als er die MCR-Playlist ins Leben schrie, damit allen Reisenden, ob per Auto oder im Learjet, die Wartezeit bzw. Anfahrt musikalisch verkürzt werden könne. Schöne Idee – gewagte Idee. Der Pferdefuß in dieser Geschicht’: alle Mitglieder von MCR sollten mitmachen, Songs vorschlagen und liken.

Die Büchse der Pandora war hiermit eröffnet.

 

Noch 7 Tage bis zum Paymentday

Samstagmorgen und Alexander Dotzler geht online, ruft zum engagierten Mitmachen auf, erklärt die Vorgehensweise und startet mit seinem ersten Titelvorschlag „Cordula Grün- (Josh.)“.
Spätestens an dieser Stelle hätte jeder gewarnt und darauf vorbereitet sein müssen, wohin die Reise geht.

In den nächsten Stunden trudeln die Vorschläge ein. Die Info (von Alex), dass es sich um Party-Mucke handeln sollte, wird weitestgehend ignoriert. Eigentlich werden erstmal die persönlichen Lieblinge unters ahnungslose und unschuldige Volk gestreut. Ich sag nur Cordula Grün (von Alex).
Sehr schön zu beobachten: selbst am heiligen Wochenendstart nehmen sich viele, viele Gruppenmitglieder Zeit sich zu beteiligen und ein wenig in ihrer Musikbox zu kramen.

Die Schlacht Slytherin gegen Gryffindor, Metal gegen Schlager und Techno gegen Frauenchor nimmt Fahrt auf. Und derDau weist regelmäßig daraufhin, dass Weihnachtsmelodien was „…für den Arsch seien…“.
Gegen Abend wird es aber tatsächlich partymäßiger. Schöne Sachen sind dabei, die Likes steigen, die Doppelpostings auch und die Online-Stimmung wird brühwarm, köchelt leicht und vergessene Schätzchen werden präsentiert. Die ersten Favoriten zeichnen sich ab.

(Leider, leider, leider war mein Geheimtipp „Katzeklo“ nicht dabei. Ja, ich muss sagen, er wurde verschmäht, gemobbt und ich musste selber liken. Hat aber nichts genützt, also keine Angst, ist nicht auf der Playlist – Ihr BANAUSEN!)

 

Noch 6 Tage bis zum Paymentday

Sonntagmorgen, und sie sind wieder da. Ganz früh, verkatert, aber gewillt die Playlist voranzutreiben.
Kandidaten wie Helene Fischer, 70er Jahre Hits und Walt Disney Soundtrack lassen den ein oder anderen zusammenzucken. Aber jetzt läuft es. Es geht ab.
Kreativität, Originalität und unkalkulierbarer Wahnsinn haben sich aus ihren Kerkern befreit. Die Kontrolleure derDAu und Alex flehen immer und immer wieder „…scrollt nach Oben, seht euch bitte auch die anderen Titel an…“, was ebenfalls präzise ignoriert wird. Ich glaube, einer von den beiden hat geweint.

Jetzt beginnt eine Reise durch Zeit und Erinnerungen. Tonbandaufnahmen, Schlaghosen, Vinyl, erster Pickel, erster Kuss, lila Sakkos, Game Boy, Ilja Richter, Discman, Houseparty undundund.
Eine Tatsache ist sehr beeindruckend. Die Evergreens fügen sich aus unterschiedlichen Musikrichtungen, Stilarten und Zeitabschnitten zusammen, werden aber von 18-119 Jährigen gleichermaßen geliebt. Kennt jeder, kann jeder mitsingen. Cool!

 

Sonntagabend.

Abendessen? Kinder ins Bett bringen? Tatort? Neeeee, Tastatur, youtube und Hirnkapazität werden konzentriert aufs Posten und Liken gerichtet.

War bisher die Veränderung der Songs ins Auge gefallen, so kann man ab jetzt sehr gut beobachten, wie sich das menschliche Verhalten verändert und entwickelt.

Die gute Danuta hat eine bilderbuchmäßige Metamorphose durchlebt und sich von „trommerfellzerschmetternden-dröhn-kreisch“ Bands über 80 Jahre Hits gearbeitet, um schließlich bei Chansons zu landen.

Dieses Happy-End ist Stephan Herzog zu verdanken. Er hat es auf Französisch versucht…und es erfolgreich gemeistert, auf Platz zwei in der Playlist und bei den Damen, Zitat „…jaja ganz toll, super, ganz nach meinem Geschmack, mochte ich schon immer…“ (hier ist das Lied “Non, je ne regrette rien” von Èdith Piaf gemeint, Ihr Ferkel!!).

 

Der Countdown läuft.

Alle Rechner qualmen und die scheuen Nachttiere (hallo Paul) kommen jetzt langsam aus ihren Löchern gekrochen. Sie klinken sich zaghaft ein. Mit Titeln, die keiner so recht versteht.
Ganze dreißig Minuten lang hält der Musikinspektor Dotzler persönlich den ganzen Betrieb auf, weil er jetzt, sofort, unbedingt wissen muss, wie ein Lied/Band heißt. ES FOLGEN ORIGINALZITATE!!!!

„Wie heißt jetzt dieses französische Lied wieder… dieses eine da.“
„Wie geht es denn?“
„Ist ein schnelles eben, ein Mann, oder Frau singt dazwischen etwas mit lalala ouoouhh, ist schon einige Jahre alt.“

Und was machen all die hilfsbereiten Verstrahlten? Sie suchen und grasen das ganze Netz nach diesem blöden Song ab und vergessen ihre eigentliche Mission. Das wäre auch noch stundenlang so weiter gegangen, aber Superheld und Retter S. Krötzsch hat es gefunden und uns erlöst: Ça Plane Pour Moi von Plastic Bertrand.

Die Posts und Kommentare häufen sich, werden schneller, heißer und schräger.
Eine vage Vermutung keimt auf, sicherlich eine Unterstellung, dass es sich einige vor dem Monitor mit einem Drink gemütlich gemacht haben. Es wird zwar hoch und heilig beteuert, dass allein Wasser, Red Bull und Kaffee konsumiert werden (um wach zu bleiben), aber Selfies belegen deutlich: Bierschaum auf der Oberlippe (der ist von der Milch), Jim Beam im Hintergrund oder die vielen Korken auf dem Küchentisch, dass der Promillegehalt nicht mehr jungfräulich ist.

Allein Frau Krampka postet eine Pulle Kölsch. Gut so, dafür muss man sich auch nicht schämen und ist seeeeeehr köstlich.

Kurz vor Mitternacht. Die Ereignisse spitzen sich zu. Die Doppelposts steigen.
„Den hast du schon heute Nachmittag eingestellt“ – „Ok, sorry“
„Bitte nicht noch mal, den hattest du schon zweimal“ – „Wirklich?“
„Schluss jetzt, der war schon, von DIR“ – „Kann nicht sein!“
Geliked wird nicht mehr.
Die Kategorien extrem exotisch, extrem avantgardistisch und extrem FSK 18 werden eröffnet und unermüdlich gefüttert.
Alex „…bitte scrollt nach…ach, was solls…“.
Kurz nach Mitternacht.
Der harte Kern macht einfach weiter. Thema Musik, ist in den Posts nicht mehr ausfindig zu machen. Ob denen überhaupt noch bewusst ist, dass sie auf fb posten?

 

Noch 3 Tage bis zum Paymentday

Noch 3 Tage? Muss mal sehen, was ich im Kleiderschrank habe…natürlich nichts.
Geh’ erst einmal Shoppen. Aber nicht im Internet. Die E-Commerce Leute sind mir zu bekloppt.

 

FAZIT:

48 Stunden, die ich gerne in meinen Lebenserfahrungen speichern werde.

 

Wichtiger Nachtrag

Sehr geehrter Herr Schommertz,

falls es in Zukunft zu einer weiteren bzw. ähnliche Aktionen kommen wird, erklären wir (für Sie) nochmal ganz geduldig die Spielregeln.

Wenn ein Song vorgeschlagen wird, können die Gruppenmitglieder mit einem speziellen Icon (kleines, blaues Händchen mit einem gestreckten Daumen, der nach Oben zeigt, welches -Super-O.K.-mag ich- symbolisiert) ihr Wohlgefallen zum Ausdruck bringen. Der Titel mit den meisten Zustimmungen (Daumen-Symbol) kommt auf die Playlist.
Leider haben Sie diese Richtlinien missverstanden. Aus irgendeinem Grund (Gott weiß, warum) haben Sie sehr motiviert Lach-Smileys gesammelt und „Herzlichen Glückwunsch“, in dieser Kategorie sind Sie auf Platz Eins!

Leider funktioniert dieses „Payback“ Sammelsystem in diesem Falle nicht und wir können Ihnen zu unserem Bedauern weder ein Küchenradio noch ein Topfset überreichen.
Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung (nicht wirklich).

 

 

Bildnachweise, Auswahl: pixabay
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