Corona, was kann ich jetzt tun? Hilfreiche Infos und Links gegen Panik und Ratlosigkeit

Aktuell sind wir in einer recht gemischten Situation, in der keiner so richtig weiß, was auf einen zu kommt und wie man sich jetzt noch drauf vorbereiten kann.

Zur aktuellen Situation (16.03.2020):
In einigen Großstädten pausiert das öffentliche Leben, Deutschland macht drei Landesgrenzen dicht, unsere Regierung beschließt Hilfen für die Bürger und Bayern ruft den Notstand aus.

Folgende Fragen stellen sich den meisten gerade:

– Wie bereite ich mich jetzt (noch) darauf vor?
– Woher bekomme ich Informationen?
– Was passiert, wenn ich oder einer meiner Mitarbeiter positiv getestet wurden?
– Was kann ich tun, wenn die Verkäufe einbrechen?
– Wer kann mir weiterhelfen?

Da in den letzten Stunden bereits viele Berichte und Beiträge geteilt wurden, versuche ich die offiziellen Teile hier etwas kürzerzufassen und die Fragen, die sich allgemein stellen, so gut es geht zu beantworten. Wichtig ist hier: Die Antworten haben keine Rechtsgültigkeit! Sie stellen den Stand dar, der sich mir derzeit stellt und können, wenn du diesen Artikel liest, bereits veraltet sein.

Das Corona Virus Covid-19 ist die aktuelle Form des Coronavirus. Es gibt mehr als eins und es ist schon länger bekannt. Der bisher bekannteste Stamm war der SARS Virus Anfang der 2000er Jahre. Einige erinnern sich noch, einige haben da erst die Windeln befeuchtet. Es gibt massenweise Stumpfsinniges über Covid-19 was man unter dem Begriff #Fakenews zusammenfassen kann. Glaubt hier nicht alles, was euch über WhatsApp und in Aluhutposts mitgeteilt wird. Stichhaltige Informationen bekommt Ihr von den Seiten des Gesundheitsamts und des RKI (Robert-Koch-Institut).

Wie bereitet man sich also auf so etwas vor oder genauer, kann man sich darauf vorbereiten?
Nein, man kann sich nicht auf etwas vorbereiten, was bisher nur in Planspielen mal angedacht war. Man sollte sich hier eher mal allgemeiner vorbereiten. Unternehmer sollten wirtschaftlich denken und immer ein Worst Case Scenario durchgeplant haben. Bisher wurde gejammert, weil ein Lieferant mal schlechte Ware geliefert hat oder ein Marktplatz etwas umstellte. Der Begriff Problem wird in den heutigen Tagen neu definiert. Die generelle Vorgehensweise sollte sein, sich einen Plan zurechtzulegen, was man machen kann, wenn man nichts mehr verkaufen kann, wenn man keine Ware mehr bekommt und was passiert, wenn das Geld ausbleibt oder niemand arbeiten kann.
Wenn eine Krise erst einmal eingetreten ist, ist Vorsorge etwas spät dran. Nun möchte ich Euch nicht ohne neue Ideen lassen und werde Euch kurz schildern was sich bei mir getan hat.
Ich hatte für so einen Fall auch nicht vorgesorgt aber mache das beste daraus. Glücklicherweise hat sich bei mir einiges an Ware angesammelt und ein Teil meiner Produkte kommt direkt aus Deutschland. Solange also diese Lieferanten nicht den Betrieb einstellen müssen, habe ich zumindest einen Teil der Ware, die ich für den Verkauf benötige. Ein Teil meiner Produkte beziehe ich aus China, hier kann ich Euch aber zumindest schon etwas entwarnen, ich habe gerade erst eine Lieferung per Luftfracht bekommen, es geht also noch. Für ein anderes Projekt, dass ich dieses Jahr starten wollte, wird es allerdings nicht reichen, da die Frachten im Containerbereich etwas zu stark angestiegen sind. Zum Ausbruch der Pandemie wurde meine Frau (Chinesin) leicht panisch und es steigert sich derzeit etwas zu sehr. Wir haben uns einen kleinen Notvorrat an Schutzmasken zurechtgelegt, für den Fall der Fälle. Nein es ist nicht viel, sondern eher genug, dass eine Person damit zwei Wochen auskommen kann. So wie es sich gerade darstellt, wäre eine Bevorratung für 2 Monate wohl sinnvoller gewesen. Aber ohne meine panische Frau hätte ich gar nichts zuhause.
Heute ist es nun passiert und unser MP hat den Notstand ausgerufen: Freizeitmöglichkeiten sind geschlossen, Restaurants werden eingeschränkt, viele Einzelhandelsgeschäfte müssen schließen, Schulen und Kitas sind bereits bis Ende April zu.

Eine der wenigen Ausnahmen ist der Onlinehandel. Hier darf weiterhin gearbeitet werden. Was Ihr nun aber beachten solltet, ist den laufenden Betrieb sicher zu stellen. Habt Ihr Mitarbeiter, dann sorgt für Desinfektionsmittel. Könnt Ihr keine kaufen schaut auf die Seite der WHO, hier wird Euch erklärt wie man ein Einfaches herstellt. Händewaschen ist nun PFLICHT! 30 Sekunden sollte wirklich jeder hinbekommen und das am besten mehrmals am Tag. Langt Euch mit den Pfoten nicht ins Gesicht und wenn Ihr niesen müsst dann bitte in die Armbeuge und danach… wieder Pfoten waschen!
Solltet Ihr Erkältungsmerkmale feststellen, nehmt das bitte ernst! Sollte Euch bei einem Mitarbeiter etwas Derartiges auffallen, geht proaktiv vor und schickt ihn nach Hause! Versucht seinen Arbeitsplatz zu reinigen. Euer Gesundheitsamt unterstützt Euch hier! Nutzt zur Not eine UV-Lampe. Diese können (nicht müssen) Keime und Viren abtöten. Wenn Ihr bei Amazon oder eBay seid, schickt genug Ware ins FBA Lager um puffern zu können. Mindestens eine Woche vom Nötigsten, was immer gekauft wird. Wenn Ihr allein seid und Kinder habt, die nun zuhause betreut werden müssen, fragt Händlerkollegen ob die Euch beim Versand helfen können. Ich selbst habe eine Kollegin in der Bürogemeinschaft auf, die das zutrifft. Ich mache gerne Ihren Versand mit, wenn ich hier helfen kann. Wird halt eine Weile mehr gearbeitet.

Wenn Euch als Händler die Quarantäne trifft und Ihr den Versand im eigenen Haus habt, stellt Euch darauf ein, dass Ihr nicht weiter versenden dürft. Hier würde seitens des Gesundheitsamts ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen werden. Wenn Ihr dagegen verstoßt, könnt Ihr Euch auf drakonische Strafen einstellen und schon mal mit einer Privatinsolvenz auseinandersetzen.

„Ein Verstoß gegen das Tätigkeitsverbot ist auch bei Fahrlässigkeit strafbar; daneben macht sich auch die verantwortliche Person auf der Seite der Lebensmittelunternehmer, die diese Person so und damit unter diesen Gesundheitsrisiken tätig werden ließ, strafbar. Wurden dadurch die entsprechende Krankheit oder Krankheitserreger verbreitet, sind sie zu mindestens drei Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen. Der Person, die eine Person ohne Bescheinigung beschäftigt oder diese Bescheinigung nicht an der Betriebsstätte verfügbar hat, droht ein Bußgeld; ebenso der dort tätigen Person, die bestehende oder entstehende Gründe für ihr Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot nicht pflichtgemäß mitgeteilt hat.“ Quelle Wikipedia

Jeder, der durch Eure Schuld infiziert wurde, hätte Schadensersatzansprüche Euch gegenüber! Seid also hier bitte übervorsichtig.

Was könnt Ihr also machen?
„Homeoffice“ ist weiterhin gestattet. Für Virenübertragungen am Computer gibt es Kaspersky 😉
Ihr könnt auch in der Krise am Unternehmen arbeiten. Jeder Unternehmer sollte einen groben Jahresplan haben. Was könnt Ihr also in der „freien“ Zeit unternehmen? Produktbeschreibungen optimieren, Webshop verbessern, Social Media vorbereiten, weiterbilden. Wenn es einen Unternehmer trifft, ist dieser nicht allein! Ihr habt eine große Community und Ihr habt auch Kunden. Wenn Ihr bereits eine Infektion habt, könnt Ihr damit genauso proaktiv umgehen! Eure Kunden werden es eh irgendwann erfahren also warum nicht etwas aktives Marketing betreiben. Von Floerke hat mit aktivem Marketing einiges erreicht. Ihr solltet hier allerdings eher Abstand vom Alkohol nehmen, der ist bei einer Grippe nicht hilfreich.
Ihr könnt auch das Wissen nutzen, dass Ihr bereits habt, um anderen zu helfen. Jeden Tag wollen frische Unternehmer das „Onlinegold“ heben und suchen händeringend andere Unternehmer, die sie vor Anfängerfehlern bewahren. Ihr könnt auch anderen Unternehmern helfen die Angebote zu verbessern oder Euch mal andere Märkte anschauen um hier nach der „Freizeit“ mit mehr Power durchzustarten.

Wir haben nun die ersten 4 Fragen bereits beantwortet und kommen nun zum trockenen Teil.

Wer kann euch weiterhelfen?

In einer Krise lernt man eng zusammen zu stehen. Es wurden bereits Hilfsprogramme gestartet und gut ausgestattet. Ihr müsst sie nur nutzen.
Da gäbe es einmal die KfW Programme:

„ERP-Gründerkredit-Startgeld“ – gedacht für kleine Unternehmen, die nicht älter als 5 Jahre sind, unter 50 Mitarbeiter haben und weniger als 10 Mio. Bilanzsumme aufweisen.
Wie viel? Bis zu 100.000€ pro Firma. Rückzahlung innerhalb von 10 Jahren, Tilgungsfreie Zeit 1-2 Jahre je nach Summe.

„Akutkredit (Fördergebiet Bayern“ – Mittelständler ohne Freiberufler – gedacht zur Umschuldung kurzfristiger Verbindlichkeiten, Betriebsmittelinvestitionen usw.
Wie viel? Maximal 2 Mio.

„Universalkredit (Fördergebiet Bayern)“ – Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 500 Mio. UND Freiberufler – gedacht für Investitionen, Warenbeschaffung, Betriebsmittel sowie Umschuldung kurzfristiger Verbindlichkeiten.
Wie viel? 25.000€ – 10.000.000€

Das ist nur ein kleiner Auszug aus den Möglichkeiten der KfW. Für die anderen Bundesländer gibt es teilweise bereits eigene Fördergebiete. Bitte fragt hierzu umgehend bei der Hausbank nach.

Was gibt es noch?
Steuerstundungen für die Gewerbe und Körperschaftssteuer. Evtl. auch für Sozialabgaben. Was genau in eurem Fall möglich ist, weiß euer Finanzamt oder der Steuerberater.

„Soforthilfe Bayern“ – Die Staatsregierung kündigt ein Hilfspaket in Umfang von bis zu zehn Milliarden Euro an. Soforthilfen sollen i. H. v. 5.000 € bis 30.000 € für Unternehmen, die von der Schließung betroffen sind, gezahlt werden. Wer Soforthilfen beantragen möchte, muss sich bei der Wirtschaftsförderung der zuständigen Bezirksregierung melden.

Andere Bundesländer werden hier entsprechend nachziehen! Eure IHK hilft euch hier gern weiter.

„Kurzarbeitergeld“ – oft thematisiert wurde es hier erleichtert. Ein Arbeitsausfall liegt nun bereits vor, wenn 10% der Beschäftigten betroffen sind. Die Sozialbeträge sollen hier zu 100% erstattet werden. – Dies ist derzeit noch nicht voll umgesetzt. Für genaue Fragen ruft beim örtlichen Arbeitsamt an und lasst euch alles genau erklären. KuG kann NUR mit dem Einverständnis des Arbeitnehmers beantragt werden!

Ich gehe davon aus, dass Ihr jetzt auch Fragen haben werdet. Wendet Euch an die entsprechend benannten Stellen. Wenn Ihr nicht weiter wisst, geht offen auf eure Kollegen zu. Bevor ein Lieferant mahnt, informiert ihn und sucht das Gespräch. Bleibt gesund!

Ihr findet hier einige Links zu entsprechenden PDF, die uns von ETL Auditax zur Verfügung gestellt wurden:

Aktueller Newsletter Corona-Virus
Antrag 100
Antrag 120
FAQ Corona ETL
Information Corona-Virus
KuG Abrechnungsliste
KuG Antrag

Autor:
Ein großer Dank für diesen Blogartikel geht an Sebastian Krötzsch von www.druckzeug.de

 

 

Michael Atug zu Gast bei ROSE Bikes: Erfolgreiches Multichannel-Retail-Konzept

Michael Atug zu Gast bei ROSE Bikes: Erfolgreiches Multichannel-Retail-Konzept

Innovatives Offline- / Online-Verkaufserlebnis für Fahrrad-Shop

ROSE Bikes zeigt seit der Gründung 1907 in Bocholt, dass es für langfristigen Erfolg auf die richtige Mischung aus Beständigkeit und Innovation ankommt. Das Unternehmen hat seinen Stammsitz nach wie vor in Bocholt. Doch aus dem kleinen Fahrrad-Laden ist inzwischen der Flagship-Store „Biketown“ geworden. Wie sein Ableger in München konnte das Unternehmen damit einige internationale Design- und Architekturpreise abräumen. Auch ansonsten hat ROSE konsequent einen Gang höher geschaltet, wenn es darum geht, den Kunden ein echtes Einkaufserlebnis zu bieten.

Stationärer Handel 2.0 für Fahrräder und Fahrradzubehör

Vor dem Internet kam der Versandkatalog. 1982 bot ROSE erstmals den Versandhandel per Katalogbestellung an. In drei Sprachen mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren im Jahr 2009 wurde das Bike-Kompendium von ROSE zu einem Standardwerk für alles rund um Fahrräder, Zubehör und Lifestyle. Bis das Internet immer populärer wurde. Inzwischen setzt ROSE auf eine Reihe von Marketingkanälen und Informationskanälen im Rahmen der CYCLE STORIES. Mit einem Kundenmagazin, einem YouTube-Kanal und vielen weiteren Angeboten vermittelt ROSE praktisches Wissen, hilfreiche Tipps und News, die einfach nur Lust machen, und die die Neugier auf die Welt des Fahrrads wecken.

Biketown: der preisgekrönte Flagship-Store für alles rund ums Rad

Durch die großflächige und offene Architektur kann in der Biketown in Bocholt flexibel auf Veränderungen und Chancen reagiert werden. Eine Besonderheit, die ein geschultes Auge sofort erkennt, ist die Verknüpfung von online und offline:

  • Elektronische Preisschilder zeigen immer den aktuellen Preis, der auch im Internet gilt.
  • Service und Reparatur können online gebucht werden.
  • Die Bildwelten aus den Media-Kanälen fließen in die Gestaltung der Verkaufs- und Serviceflächen mit ein.

Die Regalfläche wird dadurch virtuell verlängert. Getreu dem Motto „Retail is detail“ könnte man über jeden einzelnen Aspekt einen eigenen Artikel schreiben. Wichtig ist, dass bei ROSE das Gesamtkonzept stimmt. Verantwortlich dafür ist unter anderem das eigene Marketing-Team, das als eigene Agentur gegründet wurde und organisch mit ROSE zusammengewachsen ist.

Unvergleichlich gut

Überhaupt ist das ROSE-Team Meister darin, “Fremdes” und Eigenes zu verbinden. Eigenmarken werden gezielt gepusht, um Preiskämpfe auf Verkaufsplattformen zu umgehen. Fremdmarken ergänzen das Sortiment und erlauben es, mehr Zielgruppen unter den Radsport-Begeisterten anzusprechen.
Wer einen Store von ROSE besucht, lernt viel über Kundenbindung und zeitgemäße Produktpräsentation. Hier werden Fußform und Körpergröße individuell vermessen, Fahrräder nach dem persönlichen Bedarf zusammengestellt und Räder perfekt angepasst. Fachkundige Beratung ist ein zentraler Nutzen, den die oft auch sehr gut informierten Kunden zu schätzen wissen.
Nicht nur Radfahrer fühlen sich hier wohl und bleiben bei gutem Kaffee, Kuchen und Smoothies gern ein wenig länger.

Nachhaltigkeit & Umweltschutz im E-Commerce – Was können wir tun?

Nachhaltigkeit & Umweltschutz im E-Commerce – Was können wir tun?

Till Andernach und Michael Atug sprechen über das wichtige Thema Nachhaltigkeit im E-Commerce.

 

 

Was können wir Onlinehändler eigentlich zum Thema Umweltschutz beitragen?

Was für Ideen gibt es zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz schon?

Wie gehe ich als Mensch eigentlich mit dem Thema Umweltschutz um und wie lebe ich das meinen Kindern vor?

Verkäufer-Gedanken über amazon – Wie geht es weiter?

Verkäufer-Gedanken über amazon – Wie geht es weiter?

Wird es eine “Zeit nach Amazon” geben?

Ein Gastbeitrag von Florian Obermüller

Schon lange komme ich bei Gesprächen mit Lieferanten und anderen Verkäufern immer wieder an den Punkt, dass man überlegt, ob Amazon ein „ewiges Phänomen“ sein wird. Oder wird es jemals wieder eine Zeit geben, in der wir ohne Amazon leben werden? Also wir Händler, aber auch wir Kunden. Eine komplizierte Vorstellung. Andererseits war bislang alles vergänglich in der Menschheitsgeschichte. Aber diese Überlegungen wurden nie ernsthaft zu Ende gedacht. Nun kam es aber bekanntlich schon öfter zu Zahlungsverzögerungen Seitens Amazon in letzter Zeit und der eine oder andere Gedanke an obiges Szenario war wieder im Kopf. Ich spinne den Gedanken deswegen hier mal zu Ende und stelle die Frage: Kann Amazon scheitern und was passiert dann?

Kann Amazon scheitern? Nun, was könnte Amazon zum Scheitern bringen? Dafür gibt es grundsätzlich mal zwei Möglichkeiten. Einerseits können solche Unternehmen von innen heraus zerbrechen, also quasi implodieren, beispielsweise in dem man sich übernimmt und plötzlich zahlungsunfähig wird. Ob Amazon vor kurzem wirklich zahlungsunfähig war, wie von so manchen behauptet, halte ich dann doch für eine gewagte Aussage. Ausschließen kann ich das aber natürlich auch nicht. Wenn man sich die Bilanzen der letzten Jahre so anschaut wurde nie ein richtig hoher Gewinn ausgewiesen. Man investiert einen Großteil des Ertrages wieder und es werden, zum Leidwesen des Marktes, viele Preise subventioniert. Von einem großen Geldberg, der da irgendwo liegt, kann sicherlich nicht ausgegangen werden. Trotzdem nimmt Amazon laufend richtig viel ein, und dass sich hieraus ein Zahlungsengpass entwickeln kann, glaube ich nicht. Schon alleine das lange Zahlungsziel wird das verhindern. Dennoch stärken die massiven Verkäufe von Anteilen von Unternehmensgründer Bezos das Vertrauen in Amazon auch nicht wirklich.
Bleibt ein mögliches strukturelles Problem, das Amazon haben könnte. Und ja, hier werden wir durchaus fündig. Das Software-System von Amazon ist komplett veraltet. Die Datensätze laufen heute noch in einfachen Tabellen. Viele Schnittstellen zu Datenlieferanten versteht schon seit vielen Jahren niemand mehr, weil die Personen, die das alles gebaut haben, längst das Unternehmen verlassen haben und das Know-How mit denen ging. Weiterhin tut Amazon das schnelle Wachstum nicht gut. Jeder, der schon einmal Kontakt mit dem Support hatte, weiß, dass hier sehr viel im Argen liegt. Um überhaupt noch erreichbar zu sein wurden Callcenter engagiert, die die Anrufe entgegennehmen, wobei der Telefonist in aller Regel deutlich weniger Ahnung von Amazon hat als ein Verkäufer, der anruft. Dies, und viele andere interne Probleme sind sichtlich vorhanden, werden aber ein Sterben von Amazon nicht auslösen können. Sicherlich sorgen die für gebremstes Wachstum. Mehr aber nicht.

Anders schaut es mit externen Faktoren aus. Konkurrenz kommt aus Asien angerauscht. Diese ist zwar mächtig, wird Amazon aber nicht mehr aus etablierten Märkten verdrängen. Trotzdem halte ich ein Überholen im weltweiten Markt für möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich. Richtig Ärger droht Amazon aber von den Steuerbehörden. Lange Jahre lächelte man auf beiden Seiten Probleme weg. Das scheint aber vorbei zu sein. Großbritannien hat den Online-Riesen schon in die Pflicht genommen und die Machenschaften der keine Steuer zahlenden Asien Unternehmen unterbinden lassen. Die EU hat ähnliches auf den Weg gebracht und die Bundesregierung will das sogar noch schneller umsetzen. Aber auch die Steuerflucht von Amazon selbst wird immer lauter diskutiert. Und sicherlich wird man auch nicht erfreut sein wenn man sieht, wie Amazon die Rechte der eigenen Arbeitnehmer aushebelt in dem es die diskutierten Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Hier prallen Welten aufeinander: US-Amerikanische Gelassenheit in solchen Angelegenheiten auf Europäisches – und vor allem Deutsches – Gerechtigkeitsdenken. Ich denke, dass es hier noch richtig Ärger für Amazon geben wird. Ob man Amazon damit zum Fall bringen kann und will halte ich aber auch für zweifelhaft. Die Kombination all dieser Faktoren könnte es aber vermutlich. Wenn Amazon auf einmal wirklich Konkurrenz bekommt, wenn Amazon die internen Probleme nicht mehr in den Griff bekommt wie in der Vergangenheit, und wenn Amazon weiterhin nicht mit den Behörden kooperiert wäre zumindest ein deutlicher Knick in der Entwicklung gut vorstellbar – vielleicht auch mehr.

Das bringt die Frage auf: Was wäre eine Welt nach Amazon?
Um die Antwort für uns Verkäufer finden zu können steht als erstes die Überlegung an, was der Endkunde machen würde. Würde er wieder mehr stationär kaufen? Als erste Reaktion vielleicht ja. Langfristig sicherlich nicht. Über das Internet zu kaufen ist einfach zu bequem und beim Großteil der Bevölkerung „zu normal“ geworden. Man muss also eher von einer Verlagerung im Internet ausgehen. Nur wohin?
Den meisten wird als erster Name vermutlich Ebay einfallen. Würde Ebay davon profitieren? Sicher! Aber Ebay ist es bis heute nicht gelungen, das Vertrauen, das Amazon seinen Kunden vermittelt, aufzubauen. Im Gegenteil versuchte man dort ja die ganze Zeit dem großen Konkurrenten nachzustellen, in dem man mehr schlecht als recht Maßnahmen kopiert hat. Das Verständnis, was zumindest die Europäischen Kunden an Amazon schätzen, fehlt dort einfach schon immer. Trotzdem würde Ebay profitieren. Allerdings auch andere. Der Endkunde würde sich wieder Marktplätze suchen, bei denen das Vertrauensverhältnis ähnlich ist wie bei Amazon. Da muss dann der nächste logische Name fallen: Otto.de. Im Unterschied zu den anderen großen Online-Shops mit erheblichem Marktanteil hat die Nummer zwei die Schranken für Drittanbieter geöffnet. Wenn man dies mit genügend Sorgfalt weiterverfolgt, und das Sortiment so vernünftig ausbaut, würde Otto.de meiner Meinung nach zur klaren Nummer eins auf dem deutschen Markt werden. Bei der momentanen umsatzmäßigen Nummer drei, Zalando, ist man im Gegensatz zu Otto zu sehr im Sortiment beschränkt. Dies gilt für die anderen großen Online-Shops ebenso. Man wird die Rolle von Amazon nicht übernehmen können, ohne dass man sich für andere Händler öffnet. Ein Name muss deswegen hier auch noch fallen: Real.de. Der Vorgänger, Hitmeister, hat sich darauf spezialisiert, mit Drittanbietern zusammenzuarbeiten. Der Sprung zur allgegenwärtigen vertrauenswürdigen Bezugsquelle für den Deutschen Endkunden blieb aber aus. Ebenso war man nicht unbedingt bei jedem Händler als Umsatzbringer bekannt. Durch die Fusion mit Real.de und dem damit einhergehenden Imagegewinn kann sich das aber durchaus ändern. Ein großer Vorteil, den Real zusätzlich hat, ist das Netz an stationären Läden. Der Anteil an Bestellungen, der über Filialen abgewickelt wird, steigt laufend an. Immer mehr Kunden nutzen diese Kombination aus Online- und Offlinemarkt. Vielleicht die Zukunft? Bei einem potentiellen Wegfall von Amazon ist das eine Überlegung wert.
Bleibt aber noch die Frage nach neuen starken Seiten; starken Plattformen, aber auch starken Eigenshops. Würde hier eine Revolution stattfinden? Vielleicht. Die Landschaft der eigenen Online-Shops würde sicherlich in der Masse profitieren. Ob sich neue, bis zum heutigen Tage nicht gegründete Shops und Seiten als Sieger auftun würden, ist natürlich kaum zu sagen. Ein breites Sortiment, über das eines einzelnen Händlers hinaus, halte ich aber für ebenso unabdingbar, wie einen zentralen Kundenservice und die Übernahme der Zahlungsabwicklung. Das „alles aus einer vertrauenswürdigen Hand“ wurde von Amazon zu lange vorgelebt, als dass die Kunden hierauf verzichten würden.

Das alles sind natürlich Theorien. Wie wahrscheinlich es ist, dass Amazon überhaupt jemals zum Fall kommen wird, ist schon nicht zu sagen, geschweige denn wie es dann tatsächlich weiter gehen wird. Aber müssen wir Händler uns für diesen Fall wappnen? Ich möchte mal ein entschiedenes „Jein“ antworten. Wie immer kommt es auf den Einzelfall an. Der Ein-Mann Betrieb, der jetzt nur über Amazon verkauft wird anders mit der Situation umzugehen haben, wie das mittelständische Wirtschaftsunternehmen, das 25 Mitarbeiter beschäftigt. Für alle Online Verkäufer muss aber sicherlich gelten, dass man finanzielle Reserven haben muss. Man hat gesehen, dass es zu Ausfällen von sicher geglaubten Auszahlungen kommen kann. Solche Probleme muss man überstehen können. Für zu kurzsichtig halte ich aber auch die Unternehmer, die sich nur auf „FBA“ (Versand durch Amazon) beschränken und selbst keine Ware mehr in die Hand nehmen. Sicherlich ist es praktisch, Vorlieferanten dazu zu bringen, Ware direkt zu Amazon zu schicken und den Rest dort erledigen zu lassen. Aber das Konstrukt ist instabil. Ich halte es für enorm wichtig, dass man sich nicht nur auf andere verlässt und jedes Unternehmen auch selbst noch verschicken und Support erledigen kann. Dass Amazon gerade in diesen Bereichen bereits Probleme hat, ist offensichtlich. Und es muss nicht zu einem Fall kommen, damit die Händler wieder mehr davon selbst übernehmen müssen.

Von daher gilt was im Geschäftsleben meistens gilt: Nie nur auf ein Pferd setzen. Nie alles andere erledigen lassen. Kurzum: Sich nie mehr von anderen abhängig machen als unbedingt nötig; flexibel sein und nicht stehen bleiben.

Autor: Florian Obermüller
Florian Obermüller ist der Geschäftsführer der Online-Versand-Grafenau GmbH mit Sitz in Grafenau im Bayerischen Wald. Gegründet 2004 wurde das Geschäft über viele Jahre nur über Ebay betrieben. Mittlerweile ist Amazon der Haupt-Absatzkanal. Trotzdem nutzt er auch heute noch Ebay und bereits seit vielen Jahren Real.de, ehemals Hitmeister, sowie einen eigenen Shop mit Abholmöglichkeit.

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Amazon Suchbegriff neue Regeln seit August 2018

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• Verwenden Sie keine befristet gültigen Aussagen wie “neu” oder “jetzt im Angebot”.
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